EM Birmingham: Sechs Top 8-Platzierungen für Niedersachsen
Die Leichtathletik EM in Birmingham vergangene Woche zeigte sich für die zwölf niedersächsischen Athletinnen und Athleten als äußerst erfolgreich.
Langsprint
Fünf Athlet*innen des NLV gingen dabei im Langsprint an den Start. Der deutsche Vizemeister über 400 Meter, Thorben Finke (SV Sigiltra Sögel), konnte sich mit einer Zeit von 45,79 Sekunden im Vorlauf für das Halbfinale qualifizieren. Dort verbesserte er seine Zeit aus dem Vorlauf noch einmal auf starke 45,66 Sekunden (drittschnellste Zeit überhaupt) und sicherte sich damit den siebten Platz, womit er sehr zufrieden war: „Wenn mir einer vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich im Halbfinale der EM stehe und zwei solche Rennen abliefere, hätte ich ihn für verrückt erklärt.“
Trainingskollege Jean Paul Bredau (VfL Wolfsburg) setzte anschließend noch einen oben drauf. Den Vorlauf musste Bredau nicht bestreiten, da er zu den Top 12-Athleten zählte und so direkt in das Halbfinale einzog. Dort lief er die zweitbeste Zeit seiner Karriere (44,86s) und dominierte damit seinen Lauf. Auch im Finale blieb er in 44,93 Sekunden wieder unter der 45-Sekundenmarke. Der Lohn: Platz fünf in Europa!
Über die Distanz von 200 Metern schaffte es Talea Prepens (TV Cloppenburg) auch in das Halbfinale. Ihren Vorlauf gewann die Sprinterin in 23,16 Sekunden. „Es war ein solider Lauf. Ich hoffe, im Halbfinale geht noch ein bisschen mehr“, so Prepens. Ihren Erwartungen konnte sie im Halbfinallauf zwar nicht ganz gerecht werden, nachdem sie in 23,32 Sekunden Sechste wurde. Dennoch sei die Cloppenburgerin mit ihrem Lauf „happy“ gewesen.
Enttäuschung bei Lea Meyer über die 3.000 Meter Hindernis
Im Vorlauf über die 3.000 Meter Hindernis überzeugte die Niedersächsin Lea Meyer vom VfL Löningen. Mit einer Zeit von 9:32,21 Minuten gewann sie den Vorlauf und zog souverän ins Finale ein. Auch im Finallauf hat die Silbermedaillengewinnerin von München das Tempo angegeben und es sah lange nach einer Medaille aus. Doch am letzten Hindernis stürzte Meyer, als es in die entscheidende Phase ging, und nahm sich damit die Chance auf eine Medaille. „Ich bin wahnsinnig enttäuscht und sehr sauer auf mich selbst“, so Lea Meyer im Interview, die sich deutlich mehr vorgenommen hatte als Platz vier.
Die Sprungdisziplinen gehen weit und hoch hinaus
Kira Wittmann (Hannover 96) glänzte schon in der Qualifikation des Dreisprungs. Mit einer neuen Bestleistung von 14,26 Metern und dem großen Q zog sie als Vierte in das Finale ein. Dort steigerte die Hannoveranerin ihre Leistung noch weiter und flog im dritten Versuch auf 14,32 Meter, was am Ende zu einem starken Platz sechs reichte. Zu Bronze fehlten lediglich acht Zentimeter!
In der Hochsprungqualifikation übersprang Nachwuchsathletin Dorothea Gantert (SpVg Laatzen) gleich im ersten Versuch die 1,84 Meter. Erst die 1,88 Meter waren zu hoch für die jüngste Teilnehmerin im Feld. „Es war sehr aufregend und etwas ganz anderes als eine Jugendmeisterschaft. Ich bin sehr glücklich, dabei gewesen zu sein. Ich hatte einen relativ guten Anfang. Ab 1,84 Meter habe ich dann ein bisschen Nerven bekommen. Die 1,88 Meter wären sicherlich drin gewesen, das ist ein bisschen schade“, berichtet Gantert nach ihrem Wettkampf.
Goldmedaille im Marathon
Im Marathon gingen drei niedersächsische Athlet*innen an den Start. Bei den Frauen traten Katharina Saathoff (Braunschweiger Laufclub) und Fabienne Königstein (Hannover 96) an. Saathoff erreichte bei ihrem Nationalmannschaftsdebüt den 32. Platz mit einer Zeit von 2:39:58 Stunden und sorgte dafür, dass das DLV-Team auf Rang fünf in der Teamwertung landete.
Teamkollegin Königstein musste ihren Lauf hingegen nach 35 Kilometern abbrechen „Ich hatte mir wirklich viel vorgenommen: Ich hatte eine super Vorbereitung, eigentlich hat alles gepasst. Aber irgendwie hat der Bewegungsapparat heute nicht mitgemacht“, haderte Königstein nach dem Rennen mit ihrer Leistung.
Bedeutend besser lief es bei Amanal Petros (Hannover 96). Dieser drückte bei Kilometer 25 auf das Tempo und ließ die Verfolgergruppe bis zur 40-Kilometer-Marke 54 Sekunden hinter sich. Trotz der sehr anspruchsvollen Strecke mit zahlreichen Anstiegen (mehr als 600 Höhenmeter) stellte Petros einen neuen Meisterschaftsrekord auf. „Das war der härteste Marathon meines Lebens, die Strecke war so eine große Herausforderung. Die vielen Kurven und Anstiege haben richtig Kraft gekostet. Aber ich habe das in Kenia schon sehr gut trainiert. Nachdem ich das Tempo erhöht hatte, habe ich einfach weitergemacht.“ Nach 2:09:11 kam er schließlich als Sieger ins Ziel und darf sich nun mit dem Europameistertitel und der Goldmedaille schmücken. In der Teamwertung kam mit Silber zudem noch eine weitere Medaille für Petros dazu.
Staffelspektakel zum Abschluss der EM
Bei der 4x400 Meter Staffel-Entscheidung der Männer liefen gleich drei Niedersachsen im Finale. Jean Paul Bredau (VfL Wolfsburg), Thorben Finke (SV Sigiltra Sögel) und Florian Kroll (LG Osnabrück) waren Teil der Männerstaffel. In einem starken Feld schaffte es die deutsche Staffel in 3:02,45 Minuten auf Platz sieben. Luna Bredau (VfL Wolfsburg) durfte als einzige niedersächsische Athletin bei der 4x400 Meter Staffel der Frauen an den Start gehen. In einer Zeit von 3:28,90 Minuten reichte es am Ende für Platz acht.