Jean Paul Bredau unterbietet Norm für Birmingham
Schnelle Runden in Dessau und Berlin
Den Auftakt machte bereits am Freitagnachmittag das traditionsreiche 28. Anhalt-Meeting in Dessau. Besonders die niedersächsischen Langsprinter wussten dort zu überzeugen. Allen voran Thorben Finke (SV Sigiltra Sögel), der seine persönliche Bestzeit über 400m auf starke 45,50sek steigerte und zum zweiten Mal in diesem Sommer weniger als 46 Sekunden benötigte. Damit unterstrich der Emsländer einmal mehr seine Stellung in der deutschen Spitze und zählt aktuell hinter Jean Paul Bredau zu den stärksten Langsprintern des Landes. Nur wenig dahinter präsentierte sich Florian Kroll von der LG Osnabrück in Topform. Mit 46,05sek verbesserte auch er seine persönliche Bestleistung und schob sich weiter an die magische 46-Sekunden-Marke heran. Vereinskollege Fabian Dammermann absolvierte in Dessau erst sein zweites Rennen der Saison und überzeugte mit 46,36sek ebenfalls auf hohem Niveau. Für das nächste niedersächsische Highlight in Dessau sorgte Talea Prepens (TV Cloppenburg). Die Sprinterin lief im Vorlauf über 100 Meter starke 11,34sek und verbesserte ihre bisherige Bestleistung aus Wetzlar vor zwei Jahren um vier Hundertstelsekunden.
Keine 24 Stunden später setzte Jean Paul Bredau vom VfL Wolfsburg beim 32. Midsommar-Meeting des SSC Berlin noch einen drauf. In 45,04 Sekunden gewann der Deutsche Spitzenläufer die 400 Meter, stellte einen neuen Meetingrekord auf und erfüllte zugleich die Norm für die Europameisterschaften in Birmingham. Nur zweimal war Bredau in seiner Karriere bislang schneller unterwegs, seine persönliche Bestleistung verfehlte er um lediglich acht Hundertstelsekunden. Erneut stark präsentierte sich Florian Kroll. Nach seiner Bestzeit am Freitag belegte er in Berlin Platz zwei hinter Bredau und bestätigte mit 46,09 Sekunden eindrucksvoll seine derzeitige Form.
Höhenflüge und Rekorde bei den „Tagen der Überflieger“ in Essen
Ihren Namen machten die „Tage der Überflieger“ in Essen auch in diesem Jahr alle Ehre. Obwohl viele Athlet*innen mit dem in der Innenstadt aufgebauten Steg erst warm werden mussten und viele ungültige Versuche in die Ergebnisliste eingingen, gelangen ihnen auch in diesem Jahr eine Vielzahl hochklassiger Ergebnisse. Für das Glanzlicht bei den Frauen sorgte Dorothea Gantert von der SpVg Laatzen. Die U23-Athletin überquerte erstmals in ihrer Karriere 1,89m und verbesserte ihre persönliche Bestleistung um zwei Zentimeter. Die Höhe bedeutet gleichzeitig die DLV-Leistungsbestätigungsnorm für die Europameisterschaften der Aktiven in Birmingham. Auch Kira Wittmann von Hannover 96 zeigte ihre Klasse. Mit exakt 14,00 Metern gelang ihr im Dreisprung erstmals unter freiem Himmel ein Sprung mit einer „14“ vor dem Komma. Besonders bemerkenswert: Während viele Athletinnen mit dem Anlauf haderten, brachte Wittmann alle ihre Versuche gültig in die Grube.
Besonders spannend verlief der Weitsprung der weiblichen Jugend U20. Lynn Michelmann vom TSV Asendorf flog hier im letzten Versuch auf hervorragende 6,22 Meter. Die neue persönliche Bestleistung brachte ihr nicht nur den Sieg, sondern auch die Norm für die diesjährigen U20-Weltmeisterschaften im amerikanischen Eugene. Nervenstärke bewies auch Antonia Bronnert (VfL Löningen) im Dreisprung der WU20. Nachdem sie mehrfach mit dem Absprungbrett kämpfte und insgesamt fünf ungültige Versuche verzeichnete, traf sie das Brett im fünften Durchgang perfekt und sprang mit 13,33 Metern zum neuen Meetingrekord.
Stabhochspringerin Klara Härke erwischte in Essen ebenfalls einen richtig guten Tag; Die Athletin vom MTV 49 Holzminden flog im Wettbewerb der weiblichen Jugend U20 über 3,95m – so hoch ging es unter freiem Himmel noch nie für die Abiturientin. Im Weitsprung der MU20 setzte sich Julian Karsten (VfL Wolfsburg) mit 7,10 Metern durch. Nach Problemen im Fuß hatte der Wolfsburger seinen Anlauf komplett umgestellt und sprang nun erstmals mit dem anderen Bein ab – eine Veränderung, die ihn von starken Sprüngen nicht abhalten konnte.
Wie Härke konnte auch Hochspringer Lasse Zumsande von der LG Emstal Dörpen mit einem neuen Hausrekord im Gepäck den Heimweg antreten. Mit einem Sprung über die 2,01m überwand er im Freien erstmals die Zwei-Meter-Marke. Sein NLV-Kollege Nevio Völkel von der LG Osnabrück kam mit einem Sprung über 2,04m nah an seine Saisonbestleistung heran.
Norddeutsche Meisterschaften: Zahlreiche Titel für Niedersachsen
Auch bei den Norddeutschen Meisterschaften der U20 sowie der M/W15 in Lübeck sammelten die niedersächsischen Athlet*innen an diesem Wochenende reichlich Edelmetall. Lasse Zumsande setzte hier seinen Höhenflug fort. Nur einen Tag nach seiner Bestleistung in Essen übersprang der Athlet der LG Emstal Dörpen erneut die Zwei-Meter-Marke. Mit exakt 2,00m sicherte er sich den Norddeutschen Meistertitel in der MU20.
Über 400 Meter der WU20 lief Amke Bolten (MTV Aurich) in 55,56sek zum Titel und bestätigte dabei erneut die Norm für die U20-Europameisterschaften. Hinter ihr komplettierten Mieke Wübben (LG Emstal Dörpen) und Valerie Fehlandt (LAV Zeven) das niedersächsische Podium. Für einen niedersächsischen Doppelsieg sorgten auch die Hürdensprinterinnen der W15. Mia Brungart von der LG Weserbergland gewann die 80 Meter Hürden in starken 11,56sek und schob sich damit auf Rang zwei der aktuellen Deutschen Jahresbestenliste. Dahinter folgte Lotta Terhorst (LG Emsland Mitte) in 11,68sek. Bereits im Vorlauf hatte das W14-Talentaufhorchen lassen: Mit 11,63sek hatte sie exakt die Zeit der niedersächsischen Landesrekordhalterin Johanna Paul erreicht, die diese Marke 2017 in Kiel aufgestellt hatte.
Auf der Mittelstrecke überzeugte in Lübeck der Nachwuchs vom VfL Wolfsburg: Bei den Jugendlichen der Altersklasse M15 war Ian Mac Henning wieder einmal nicht zu schlagen: In 2:00,94min gewann er die 800 Meter, stellte einen neuen Hausrekord auf und blieb damit weiterhin dicht an der begehrten Zwei-Minuten-Marke. Bundesweit rangiert er aktuell auf Platz sechs der Deutschen Bestenliste. Seine Vereinskollegen Milana Bornhardt, eigentlich noch der Altersklasse U18 angehörend, startete eine Altersklasse höher und überzeugte gleich doppelt. Über 800 Meter der WU20 belegte sie in 2:14,03min Rang zwei, ehe sie die 1.500 Meter in starken 4:39,43min gewann.
Als echte Allrounderin präsentierte sich Savanna-Sara Wölfer (TK zu Hannover). Die Mehrkämpferin gewann die 100 Meter Hürden in persönlicher Bestleistung von 13,99sek und sicherte sich damit den Meistertitel. Wenig später ließ sie noch Gold im Speerwurf folgen, wo sie sich erst im letzten Versuch auf 42,03m steigerte. Im Hammerwurf dominierten aus niedersächsischer Sicht unter anderem Magnus Schlingmann und Charlotte Kirchner. Während Schlingmann von der TSG Dissen seine Siegerweite von 57,46m mit seinem sechs Kilogramm schweren Wurfgerät gleich zweimal erreichte, wurden für Kirchner vom TSV Lelm 43,69m und Platz eins in der weiblichen Jugend U20 notiert.