Jean Paul Bredau kratzt am Meisterschaftsrekord und Kira Wittmann springt 14,14m

  26.07.2026    NLV News Leistungssport
Deutsche Leichtathletik-Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid: Niedersachsens Top-Athlet*innen begeben sich in neue Sphären und überraschen im Hochsprung.

„Das bedeutet mir unglaublich viel“, war wohl ein Satz, der an diesem ereignisreichen, emotionalen und geschichtsträchtigen Meisterschaftswochenende in Bochum-Wattenscheid unter den Resümees der niedersächsischen Leichtathlet*innen nicht nur ein Mal fiel. So kann der NLV auf zwei überaus erfolgreiche Tage im Lohrheidestadion zurückblicken: Drei Meistertitel und insgesamt sieben Medaillen wurden in den letzten 48 Stunden nach Niedersachsen vergeben. Die Bedingungen, unter denen die Meisterschaft stattfand, waren dank des Sonnenscheins am Samstag und einem ausverkauften Stadion nahezu optimal. Nur der Wind spielte für die Springer*innen auf der Gegengeraden nicht immer mit.

Kira Wittmann und Dorothea Gantert sorgen für Gänsehaut-Momente

Einigermaßen verschont vom unberechenbaren Wind blieben am Samstagmittag aber noch die Dreispringerinnen. Kira Wittmann ging hier als Anwärterin auf eine Medaille in den Wettkampf, als Favoritin für den Sieg wurde im Vorfeld aber wohl Caroline Joyeux (LG Nord Berlin) auserkoren. Doch während die Berlinerin schwächelte, gelang Wittmann – sie startet für Hannover 96 – der beste Wettkampf ihrer Karriere. Nach schon starken ersten Versuchen passte im vierten Versuch endlich alles zusammen. Die 26-Jährige flog auf 14,14m – so weit wie noch nie. Nachdem keine andere Athletin die magische 14-Marke überbieten konnte und Wittmann ihre Leistung mit 14,10m noch einmal bestätigen konnte, stand fest: Kira Wittmann ist die neue Deutsche Meisterin und kann mit der Teilnahme an der EM planen! „Es war warm, die Stimmung super. Das hat ungemein gepusht. Die Zentimeter, die ich heute verpasst habe, habe ich mir für Birmingham aufgehoben“, zog die sympathische Athletin später ihr Fazit. Am Brett hatte sie bei ihren 14-Meter-Sprüngen sogar noch einige Zentimeter verschenkt. Platz vier im Dreisprung ging an Wittmanns Trainingskollegin Anna Gräfin Keyserlingk von der LG Göttingen. Sie kam mit 13,37m leider nicht ganz an ihre zuletzt aufgestellte persönliche Bestleistung von 13,75m heran. Charlotte Grimm (SV Eintracht Nordhorn) belegte als dritte Niedersächsin im Bunde mit 12,96m Rang sieben.

Ebenfalls die Goldmedaille um den Hals hängen lassen durfte sich Dorothea Gantert. Die erst 19-Jährige beeindruckte im Hochsprungwettbewerb am Sonntagmittag erneut mit ihrem ruhigen und konzentrierten Auftreten – von anderen Top-Springer*innen wie Imke Onnen und einer voll besetzten Kurve ließ sich das Top-Talent von der SpVg Laatzen nicht aus dem Konzept bringen. Ganz im Gegenteil: Während die Konkurrenz teilweise früh ausschied, fand Gantert immer besser in den Wettkampf ein und flog am Ende im ersten Versuch über die 1,89m. Die Deutsche U23-Vizemeisterin stellte damit ihren Hausrekord ein und weil ihr niemand mehr über diese Höhe folgen konnte, durfte sie anschließend ungläubig ihre erste Goldmedaille bei den Aktiven bejubeln: „Der Titel ist etwas, wovon ich geträumt habe. Und eine Goldmedaille bei den Aktiven zu gewinnen, ist einfach noch einmal etwas Besonderes.“ Was das Ganze noch besonderer macht: Gantert konnte mit ihrem Sieg einige Punkte für das europäische Ranking sammeln und hat nun beste Aussichten auf einen Startplatz bei der Europameisterschaft.

Lea Meyer muss sich Gesa Krause und Olivia Gürth geschlagen geben

Auf der Laufbahn durfte Sprinterin Talea Prepens den Deutschen Vizemeistertitel mit nach Hause nehmen. Die Cloppenburgerin setzte sich im 200m-Finale am Sonntagabend unter anderem gegen die Top-Favoritin Sophia Junk durch und stürmte fulminant als Zweite über die Ziellinie: „Ich bin tatsächlich super happy. Wenn ich mich richtig erinnere, war das die drittschnellste Zeit, die ich jemals gelaufen bin“, sagte sie kurze Zeit später in der Mixed Zone. Auch für Prepens wird die Teilnahme an der EM damit immer wahrscheinlicher. Mehr von dieser Meisterschaft ausgerechnet hatte sich im Vorfeld sicherlich Lea Meyer vom VfL Löningen: Es war klar, dass sie sich auf den 3.000m Hindernis mit Gesa Krause messen müssen würde. Nachdem die Löningerin, die in den USA trainiert, eine lange Zeit die Führungsarbeit übernahm, konnte sich Krause gemeinsam mit ihrer Vereinskollegin Olivia Gürth aber deutlich von Meyer absetzen. Die Niedersächsin kam schließlich auf dem Bronzerang und nach 9:30,96min ins Ziel. Ihre Vereinskameradin Carolin Hinrichs folgte ihr auf Position fünf. Sie freute sich über eine neue Saisonbestleistung von 9:56,34min.

Paula Terhorst und Lera Miller – die weiteren beiden Lauf-Asse vom VfL Löningen – präsentierten sich kurz vor der U20-WM in Eugene in bestechender Form. Auf den 800m konnte Terhorst im Halbfinale vom schnellen Tempo der Aktivenklasse profitieren. Sie hielt vorne mit und bejubelte am Ende eine neue persönliche Bestleistung von 2:05,27min. Mit der Zeit schiebt sie sich auf Rang drei der aktuellen Deutschen Bestenliste der U20 vor.  Miller zeigte im 1500m-Finale ein mutiges Rennen und belohnte sich mit Rang sieben und einer Zeit von 4:26,10min. Marie Pröpsting (VfL Eintracht Hannover) folgte kurz dahinter auf Rang acht. Weitere Top-Platzierungen in den finalen Entscheidungen fuhren Luna Bredau und Lara Hundertmark ein: Während sich Bredau (VfL Wolfsburg) im 400m-Finale über eine Saisonbestleistung von 52,15sek und Rang vier freute, ließ Hundertmark (Einbecker SV) ihren Hammer im dritten Versuch auf 61,70m fliegen. Diese Weite bedeutete Platz sieben.

Jean Paul Bredau stürmt zu 44,72sek und Thorben Finke knackt EM-Norm

Die Männer bescherten Niedersachsen drei weitere Medaillen. Für staunende Gesichter sorgten hier allen voran die Langsprinter. Im 400m-Finale, das zur Hälfte mit niedersächsischen Athleten besetzt war, ließ Jean Paul Bredau vom VfL Wolfsburg zum wiederholten Male keinen Zweifel daran, dass er an die deutsche Spitze gehört: Der zugezogene Hannoveraner stürmte in fulminanten 44,72sek als neuer und alter Deutscher Meister über die Ziellinie – nur zwei Hundertstel fehlten zum Meisterschaftsrekord. Bredau verbesserte seine persönliche Bestleistung damit um mehr als zwei Zehntelsekunden: „Ich habe mich gestern schon im Vorlauf sehr gut gefühlt. Heute habe ich dann richtig durchgezogen und dann ist diese Zeit dabei herausgekommen.“ Eine richtig starke Zeit kam auch bei Thorben Finke (SV Sigiltra Sögel) heraus. Der Deutsche U23-Meister ließ sich von Bredau mitziehen und bejubelte im Ziel nicht nur die Silbermedaille, sondern auch die Zahlen, die die Uhr anzeigte: Mit 45,08sek steigerte er seinen Hausrekord um fast eine halbe Sekunde. Sie bedeuten außerdem die direkte Qualifikation für einen Einzelstart in Birmingham: „Mein einziges Ziel war es heute, mich für die EM-Staffel zu qualifizieren. Mit Birmingham beschäftige ich mich erst ab heute. Ich muss erst einmal realisieren, dass ich auch die Einzel-Norm habe“, zeigte sich der 21-Jährige völlig ungläubig. Auch für Florian Kroll, den Viertplatzierten, war dieses Finale in ganz besonderer Moment: Mit gestoppten 45,85sek konnte der Athlet von der LG Osnabrück zum ersten Mal in seiner Karriere die 46-Sekunden-Marke unterbieten. Seinem Vereinskollegen Fabian Dammermann gelang in 46,11sek eine neue Saisonbestleistung und Platz sechs. Paul Biebl (Garbsener SC) und Nicla Jan Kaluza (Eintracht Hildesheim) vertraten Niedersachsen ebenfalls auf den 400m, verpassten allerdings den Einzug ins Finale.

Julius Vollmers überrascht mit erster DM-Medaille

Für eine richtig große Überraschung sorgte am Samstag Julius Vollmers: Der Hochspringer vom Garbsener SC verbesserte seine erst bei der Norddeutschen Meisterschaft in Bremen aufgestellte persönliche Bestleistung von 2,07m pünktlich zum Saisonhöhepunkt um ganze drei Zentimeter. Dabei verlief der Wettkampf zunächst anders, als geplant: Vollmers ließ die 2,05m nicht aus, um zu pokern, sondern nahm sich die Pause aufgrund von Schmerzen im Knie. Umso beeindruckender, dass der 22-Jährige anschließend im ersten Versuch die 2,10m überwand. Sie bescherten ihm die Bronzemedaille. „Das ist meine erste Medaille bei den Deutschen Meisterschaften der Aktiven. Ich kann es gar nicht glauben und habe das auch noch nicht ganz realisiert. Das ist wirklich ein Hammer-Gefühl. Ich habe gar nicht damit gerechnet“, schien der Garbsener auch in der Mixed Zone noch ungläubig. Auch Niklas von Zitzewitz schaffte den Sprung über die 2,10m. Aufgrund mehrerer Fehlversuche musste sich der Medaillengewinner aus der Halle – er startet für den VfL Eintracht Hannover – allerdings mit dem vierten Rang zufriedengeben. Für Nevio Völkel (LG Osnabrück) blieb die Latte bis zu einer Höhe von 2,00m liegen.

Die Trainingspartner Jordan Gordon und Samuel Malte Thömmes konnten derweil über die 400m Hürden einen starken Auftritt hinlegen. Nach souveränen Rennen im Halbfinale konnten die 96-Athleten ihren Konkurrenten das Wasser reichen und im Finale um die vorderen Platzierungen mitsprinten. Am Ende wurde Platz vier für Gordon (50,29sek) und Rang fünf für Thömmes (50,68sek) in die Ergebnisliste notiert. Im Kurzsprint überzeugten Niklas Haaker und Tobias Morawietz: Haaker schaffte es für die LG Neustadt Nord bis ins Halbfinale, wo er mit 10,50sek in der Endabrechnung Rang zwölf einfuhr. Morawietz (VfL Wolfsburg) wurde in seinem 200m-Halbfinale in 21,25sek Dritter. In den Wurfdisziplinen hielt unter anderem William Wolzenburg für Niedersachsen die Fahne hoch: 50,96m bescherten dem Werfer von Hannover 96 Rang elf. 

Martha Fahrenkrug