Familientreffen bei XXL-Landesmeisterschaft in Lingen

  17.06.2026    NLV News Leistungssport
Fast 1.000 Athlet*innen aus rund 150 Vereinen, volle Tribünen, anspruchsvolle Bedingungen und zahlreiche Titelentscheidungen: Bei den gemeinsamen Landesmeisterschaften des NLV und BLV verwandelte sich das Lingener Emslandstadion am Wochenende in den Mittelpunkt der niedersächsischen Leichtathletik. Trotz kühler Temperaturen und böigem Wind sorgten die Sportler*innen in allen Altersklassen für spannende Wettkämpfe und starke Leistungen.

Lingen hat geliefert. Bei den XXL-Landesmeisterschaften des Niedersächsischen und Bremer Leichtathletik-Verbandes kamen am vergangenen Wochenende nahezu 1.000 Athletinnen und Athleten aus rund 150 Vereinen im Emslandstadion zusammen – so viele wie noch nie bei dieser Veranstaltung. Von den Männern und Frauen bis hin zur Jugend U16 wurden in allen Altersklassen die diesjährigen Meisterwimpel vergeben.

Auch wenn Wind und vergleichsweise niedrige Temperaturen persönliche Bestleistungen eher zur Ausnahme machten, tat dies der Stimmung keinen Abbruch. Eine volle Tribüne, Leichtathletik-Liebhaber und viele ehrenamtliche Helfer*innen sorgten für eine besondere Atmosphäre. Der Dank gilt dem VfL Lingen, der als Ausrichter für optimale Rahmenbedingungen sorgte und die Mammutveranstaltung souverän über die Bühne brachte.

Dabei fand das Meisterschaftswochenende parallel zum Mehrkampf-Meeting in Bernhausen sowie zur Juniorengala in Mannheim statt. Dennoch waren die Starterfelder hervorragend besetzt. Viele Athlet*innen nutzten die Landesmeisterschaften bewusst als wichtige Standortbestimmung vor den nationalen Höhepunkten der Saison – auch, weil die Wege innerhalb Niedersachsens vergleichsweise kurz sind.

Männer: Haaker sprintet doppelt, Biebl glänzt über 400 Meter

Zum schnellsten Mann der Meisterschaften krönte sich am Samstagabend Niklas Haaker von der LG Neustadt Nord. Nachdem er bereits im Halbfinale starke 10,57sek gelaufen war, steigerte er sich im Endlauf auf 10,53sek und sicherte sich den Titel auf den 100m. Auch auf der doppelt so weiten Sprintdistanz ließ er der Konkurrenz am folgenden Tag keine Chance und gewann in gestoppten 21,61sek. An seine zuletzt aufgestellten persönlichen Bestleistungen vom Pfingstsportfest in Zeven kam der 23-Jährige angesichts des Windes allerdings nicht heran.

Für eines der sportlichen Ausrufezeichen sorgte Paul Biebl (Garbsener SC). Bevor er sich über die 200m einen Rang hinter Haaker einsortieren musste, stellte er am Samstag bereits auf den 400m seine Klasse unter Beweis.  Gegen Louis Quarata (VfL Wolfsburg) setzte sich Biebl hier auf den letzten 100 Metern entscheidend ab und stürmte nach 48,01sek ins Ziel. Die deutliche persönliche Bestleistung bedeutete zugleich die B-Norm für die Deutschen Meisterschaften der Aktiven. Gemeinsam mit seinen Vereinskollegen Jonas Kirchner, Julius Vollmers und Daniel Boekhoff führte er den Garbsener SC später auch zum Titel über 4x100 Meter. Das Quartett brachte das Staffelholz nach 42,24sek über die Ziellinie.

Eine wahre Teamleistung gelang auch der LG Osnabrück: So feierte der Verein über die 800m der Männer einen Dreifacherfolg. In einem lange geschlossenen Feld setzte sich Mika Pikutzki erst auf der Zielgeraden durch und gewann in 1:57,81min vor seinen Trainingspartnern André Rohling und Robin Zernick. Auch die 1.500 Meter der Männer waren hochklassig besetzt. Hier mussten die Osnabrücker allerdings das Nachsehen haben, denn Jonas Kulgemeyer (OTB Osnabrück) erreichte jubelnd als schnellster Läufer den Zielbereich. Die Uhr stoppte für den neuen Landesmeister nach 3:55,60min.

In den technischen Wettbewerben der Männer verteidigte Jonas Buchberger (DSC Oldenburg) seinen Hallen-Landesmeistertitel im Weitsprung und flog auf 6,55m. Marius Numrich (SVG Grün-Weiß Bad Gandersheim) gewann den Hammerwurf mit 54,72m, während Casimir Matterne von Hannover 96 seine Position als bester Speerwerfer Niedersachsens untermauerte und mit 69,62m Gold holte.

Frauen: Flutlicht-Sieg für Prepens und Flugshow von Gantert

Den Abschluss eines fast zwölf Stunden langen Wettkampftages bildete am Samstagabend das 100m-Finale der Frauen unter Flutlicht. Talea Prepens (TV Cloppenburg) verteidigte hier in starken 11,66 Sekunden ihren Titel aus dem letzten Jahr und verpasste die A-Norm für die Deutschen Meisterschaften der Aktiven lediglich um eine Hundertstelsekunde. Über 200 Meter verdiente sich Jule Wachtendorf (Hannover 96) den Meisterwimpel. Nach Rang zwei über die kurze Sprintdistanz blieb sie auf der halben Stadionrunde als einzige Athletin unter den 25 Sekunden und ließ eine Zeit von 24,81sek aufschreiben. 
Für die spektakulärsten Bilder des ersten Wettkampftages sorgte Hochspringerin Dorothea Gantert (SpVg Laatzen). Im dritten Versuch überquerte sie am Freitagabend die 1,86m und bestätigte damit ihre starke Form. Anschließend ließ sie 1,89m auflegen – die Höhe der EM-Norm für Birmingham. Die Latte wollte jedoch nicht liegen bleiben. Auch am Samstag wurde bis in den Sonnenuntergang um neue Hausrekorde gekämpft: Im Weitsprung der Frauen konnte sich Charlotte Waldkirch vom VfL Eintracht Hannover mit einer neuen Bestweite von 6,11m deutlich durchsetzen. Sie übertraf in gleich drei Versuchen die Sechs-Meter-Marke.

Jugend U20: Paula Terhorst zurück auf ihrer Paradestrecke

So gut wie noch nie war auch Lukas Meyer von der LG Weserbergland: In der männlichen Jugend U20 durfte er sich nach seiner persönlicher Bestleistung von 11,36sek über den Landesmeistertitel auf den 100m freuen. Über 200 Meter musste er sich lediglich Simon Quadvlieg (TKJ Sarstedt) geschlagen geben.  Die Mittelstrecken der U20 prägte derweil Tom Stephan. Der Nachwuchsläufer vom TV Lilienthal gewann sowohl die 800 Meter in 1:57,88min als auch die 1.500 Meter in 3:57,22min. In beiden Rennen belegte Matthias Apel von der LG Osnabrück Rang zwei. Der Osnabrücker war dafür aber auf den 3.000m nicht zu schlagen.

In der weiblichen Jugend U20 fuhr Nicola Bröger einen Zweifachsieg ein. Die Sprinterin von der LG Braunschweig gewann sowohl die 200m – hier benötigte sie 25,13sek – als auch die 400m, wo die Uhr nach 57,02sek stehen blieb. Die erhofften Zeiten unter 25 beziehungsweise 57 Sekunden blieben diesmal jedoch aus. Mit besonderem Interesse wurde der Auftritt von Paula Terhorst (VfL Löningen) verfolgt. Nach ihrer Verletzungspause kehrte sie nach einem 1.500-Meter-Auftakt in Karlsruhe auf ihre Spezialstrecke zurück. Die Uhr blieb bei 2:11,43 Minuten stehen. Die angestrebte WM-Norm von 2:07,50 Minuten konnte sie damit nicht unterbieten: „Obwohl ich wusste, dass ich mein Tempo hier alleine finden werden muss, wollte ich gerne in Lingen starten. Gerade, weil es ganz schön windig war, bin ich mit meinem Rennen und der Zeit erstmal zufrieden“, resümierte die Landesmeisterin später im Zielbereich. Sie war nicht die einzige Athletin aus der Terhorst-Familie, die an diesem Wochenende an den Start ging: Während Schwester Ida – ebenfalls für den VfL Löningen startend – die 400m der weiblichen Jugend U18 deutlich für sich entschied, feierte Lotta als Jüngste im Bunde gleich zwei Titel. Als aktuell drittbeste Hürdensprinterin in der deutschen W14 kam auf den 80m Hürden keine Konkurrentin an ihr vorbei. Im Weitsprung flog die Nachwuchsathletin von der LG Emsland Mitte auf unschlagbare 5,42m.

Jugend U18: Normjubel im Hochsprung und Zentimeterentscheidungen

Einen besonderen Meilenstein erreichte Julius Brand vom LAC Osnabrück: Auf den 800m der männlichen Jugend U18 setzte er sich gegen starke Konkurrenz durch und durchbrach erstmals die magische Zwei-Minuten-Marke. Eine Zeit von 1:58,17min wurde auf sein Konto verbucht. Während Moritz Jancke als Vertreter von Eintracht Hildesheim hier noch auf Rang zwei verdrängt wurde, sicherte Paul Euskirchen auf den 1.500m und 3.000m die Titel für die Eintracht. Auf den 400m Hürden freute sich Erik Siepmann vom MTV Wittmund trotz eines einsames Rennens an der Spitze über einen neuen Hausrekord von 53,61sek.  In der Hochsprungkurve des Lingener Emslandstadions brannte großer Jubel auf, als Newcomer Julian Schill vom VfL Eintracht Hannover im erst fünften Hochsprungwettbewerb seiner Karriere die 1,91m überquerte. Die neue Bestleistung bedeutete nämlich nicht nur Platz eins in Niedersachsen, sondern auch die Norm für die nationalen Titelkämpfe der U18.

In der U18 waren so einige Athlet*innen zweifach erfolgreich: So dominierte Leonard Lesniewski vom TS Großburgwedel nicht nur das Kugelstoßen, sondern auch den Diskuswurf. Seine Wurfgeräte flogen auf 16,04m und auf 50,05m. Auf den 100m und auch auf den 200m ging in der weiblichen Konkurrenz kein Weg an Charlotte Schwabe vom TKJ Sarstedt vorbei: Während auf den 100m noch das Zielfoto zwischen ihr und Anna Wulfert vom VfL Wolfsburg entscheiden musste, war es auf den 200m alles andere als spannend: Schwabe blieb hier als einzige Sprinterin unter der 25-Sekunden-Marke und stürmte unangefochten auf Platz eins ins Ziel. Ebenfalls doppelt erfolgreich war Rieke Wittich vom TSV Bremervörde. Sie gewann die 1.500m in persönlicher Bestleistung von 4:52,59min sowie die 3.000m in 10:39,74min. Ihren Erfolg konnte sie anschließend gemeinsam mit Schwester Rieke feiern: Sie setzte sich im Kugelstoßen mit 13,08m hauchdünn gegen Josefine Birg durch, die sich mit nur einem Zentimeter weniger geschlagen geben musste.  Auch im Dreisprung der U18 entschied ein Zentimeter über Gold und Silber. Jana Blanke vom VfL Löningen zog im vierten Versuch mit 11,47 Metern an Lina Thien (SV Sparta Werlte) vorbei und sicherte sich den Titel. Ein besonderes Wochenende erlebte zudem Hürdensprinterin Tamina Heller. Die Athletin vom TV Langen, die sich nach einer langen Wettkampfpause erst zur Landesmeisterschaft wieder in den Startblock setzte, holte sich in 13,93sek souverän den Sieg. Mit der Zeit bewegt sich Heller in der Deutschen Bestenliste aktuell auf Rang acht.

Jugend U16: Die Athlet*innen vom TSV Burgdorf überzeugen

Nicht nur zwei, sondern gleich drei Meisterwimpel sicherte sich Mark Otten vom BV Garrel. Mit 14,17m im Kugelstoßen, 40,22m im Diskuswurf und 48,15m im Speerwurf war er der erfolgreichste Werfer seiner Altersklasse. Die Wettbewerbe in der Altersklasse M14 standen ganz im Zeichen des TSV Burgdorf: So gewann Bela Lehmann die 800m in 2:10,26min und führte gemeinsam mit seinem Vereinskollegen Jonne Peters einen Doppelsieg über die 80 Meter Hürden an. In 11,83sek blieb Lehmann hier erstmals unter zwölf Sekunden. Jonne Peters triumphierte außerdem im Hochsprung mit 1,62m sowie im Weitsprung mit 5,59m. Ebenfalls für Burgdorf erfolgreich war Amaliia Stadnichuk in der W15. Sie wurde im Kugelstoßen und im Diskuswurf ihrer Favoritenrolle gerecht und ließ Weiten von 12,09m und 34,71m in die Ergebnisliste eintragen. Unter den Werferinnen der W14 wiederum konnte Julia Schmidt überzeugen: Die Athletin vom VSV Rössing gewann nicht nur den Diskuswurf, sondern war auch mit dem Hammer in der Hand die beste niedersächsische Athletin. Ihr Wurfgerät flog auf 40,60m.

In den Sprungdisziplinen der W15 waren Carla Meyer und Mia Brungart erfolgreich. Während Meyer vom OTB Osnabrück sich im Weitsprung zur Siegerin küren ließ und zusätzlich auf den 100m keine andere Athletin an sich vorbeikommen ließ, kam Brungart von der LG Weserbergland als einzige Hochspringerin über die 1,60m. Auf den 80m Hürden erlebte sie hingeben eine Enttäuschung: Als Vorlaufschnellste unterlief ihr im Finale an der letzten Hürde ein Fehler, der ihr den Sieg kostete. Stattdessen triumphierte Leenke Remmin von der LG Kreis Verden.

Zum Abschluss der Meisterschaften stand - wie bereits im Vorjahr - die Mixed-Staffel über 4x100 Meter der Männer und Frauen auf dem Programm. Der Garbsener SC setzte sich in 45,71 Sekunden durch. Zum Siegerteam gehörten hier Jonas Kirchner, Kimberley Geweke, Paul Biebl und Sinya Bandow. 

Martha Fahrenkrug