DM U23/U18: Sechs Titel gehen nach Niedersachsen!
Der Leichtathletik-Sommer in Bochum hat am Wochenende erfolgreich begonnen für unsere niedersächsischen Top-Athleten. In den 74 Meisterschaftsentscheidungen gab es in fast jeder zweiten eine Top 5-Platzierung für den NLV (34). Dabei schnitten vor allem die männliche U23 (11) und die weibliche U18 (10) gut ab. Medaillen gab es für den NLV insgesamt 18 und damit genauso viele wie bei der letzten DM in Bochum Wattenscheid im vergangenen Jahr (wir berichteten).
Langsprint erneut Spitze
Besonders stark schnitt der NLV einmal mehr im Langsprint ab. Allen voran Erik Siepmann (MTV Wittmund) begeisterte im 400m Hürden Finale der männlichen Jugend U18 und stürmte in neuem Landesrekord von 52,00 Sekunden zum Titel. Er verbesserte damit seine Bestleistung 1,61 Sekunden und reiht sich damit auf Platz vier in Europa ein. Ich habe keine Ahnung, woher ich diese Zeit genommen habe. Alle haben mich angeschrien. Dazu das geile Feeling, geile Konkurrenten – einfach geiler Lauf“, sagte der Sieger, der in dieser Saison die 52,00 Sekunden schon ins Visier genommen hat. „Dass es jetzt eine glatte 52 geworden ist, das hätte ich nicht gedacht. Das ist richtig geil.“
In der U23-Klasse ging auch in diesem Jahr kein Weg an Niedersachsen vorbei. Nach seinem Gold-Double aus dem letzten Jahr konnte Max Husemann (Eintracht Hildesheim) den Titel-Erfolg über 200m wiederholen. Er gewann das Finale in 20,89 Sekunden vor NLV-Kollege Thorben Finke (Sigiltra Sögel), dem er in diesem Jahr den Titel über 400m überließ. „Ich hatte vergangenen Herbst eine Lungenentzündung. Daraus ist ein Belastungsasthma entstanden. Darum bin ich in diesem Jahr sehr wenig gelaufen. Aber nächstes Jahr werden wieder die 400 in Angriff genommen“, blickte Max Husemann voraus. Für ihn sprangen in diesem Jahr die weiteren NLV-Langsprinter in die Bresche und sorgten für die Top-Platzierungen. Thorben Finke konnte in diesem Jahr exakt die selbe Zeit wie Husemann bei seinem Gold-Triumph aus dem Vorjahr laufen (45,50) und gehörte damit von Beginn an zu den Titelfavoriten. In 46,31 Sekunden konnte er der Rolle gerecht werden und Gold einheimsen. Neben ihm stand auch der Deutsche U23-Meister von 2024 Florian Kroll (LG Osnabrück) im Fokus, der wie bereits im Vorjahr Silber holte. „Ich wusste, dass Florian eine sehr starke Zielgerade hat, darum habe ich auf den ersten 200 Metern bei Gegenwind viel investiert. Das hat sich ausgezahlt“, sagte Thorben Finke nach seinem Gold-Lauf. Weitere Top-5-Platzierungen erliefen sich Niclas Jan Kaluza (Eintracht Hildesheim / 4. Platz über 200m) und Paul Biebl (Garbsener SC / 5. Platz über 200m). Ein echtes Sahne-Wochenende erwischte auch Amke Bolten vom MTV Aurich. Die U18-Athletin lief sowohl über 200m (24,71 / Platz 4) als auch über 400m (54,81 / Platz 2) persönliche Bestzeiten, womit sie auf beiden Strecken zu den besten in Deutschland gehörte. Sie darf sich nun auch ihren ersten internationalen Start bei der U18-EM in Rieti freuen.
Viele Medaillen im Laufbereich
Nicht viel Konkurrenz hatte Lera Miller (VfL Löningen), die eigentlich noch der U20 angehört, über 1500m. Am Freitag musste aufgrund der geringen Beteiligung kurzfristig der Vorlauf gestrichen werden. So ging es für alle verbliebenen Teilnehmerin am Samstag direkt im Finale um die Medaillen. Miller ließ nichts anbrennen, übernahm früh das Kommando und gewann am Ende souverän in 4:33,29 Minuten. „Das war eine gute Generalprobe für die U20-DM nächste Woche hier. Da geht es für mich um die Qualifikation für die U20-WM“, sagte sagte die Löningerin. Über Bronze mit neuer Bestzeit jubelte derweil Anna Malena Wolff López (Braunschweiger LC; 4:35,16 min). Seinen Titel abgeben musste in diesem Jahr Tim Kalies (LG Braunschweig) über 1500m. In einem spannenden Zielspurt musste der U23-Mittelstreckler sich gegen Tobias Tent mit 3:43,30 zu 3:43,59 Minuten knapp geschlagen geben. Zwar gab es in der weiblichen Jugend U18 keinen Titel für Niedersachsen an diesem Wochenende, kurioserweise aber die meisten Podestplätze (6). Einer davon war der 2. Platz über 1500m. Diesen holte sich überraschend Milana Bornhardt (VfL Wolfsburg) in einem mutigen Rennen. Über 800m sammelten Ida Terhorst (VfL Löningen / 2:11,35 (PB)) und Valerie Fehlandt (LAV Zeven / 2:11,64) weitere Medaillen auf der Mittelstrecke. Max Lennart Rekate (LG Weserbergland) wurde in der MU18 zudem Fünfter über 3000m in neuer Bestzeit von 8:49,26 Minuten.
Hindernistriumph unter sechs Minuten
Erst einmal war Paul Euskirchen (Eintracht Hildesheim) über 2.000 Meter Hindernis bisher unter der Sechs-Minuten-Marke geblieben. Das war Mitte Mai in Leipzig mit 5:59,17 Minuten. Nun kam ein weiteres Rennen mit einer Zeit unter dieser Marke hinzu. Lag das Feld auf den ersten vier Runden noch eng beieinander, begann auf der letzten Runde der Kampf um die Positionen. Das beste Finish hatte der Jahresbeste Paul Euskirchen, der in 5:59,49 Minuten zum Meistertitel lief. „Ich bin übertrieben glücklich. Es gab nichts, worauf ich länger hingearbeitet habe. Ich habe seit einem Jahr nur das im Kopf und jetzt hat es sich ausgezahlt“, sagte Paul Euskirchen, der sich damit auch das U18-EM-Ticket sicherte. In seinem Sog zog sich Julius Brand (LAC Osnabrück) auf Platz vier zu einer neuen Bestzeit (6:00,42). In der WU23 gewann Carolin Hinrichs (VfL Löningen) über 3000m Hindernis in 10:00,30 Minuten Bronze.
Hannover 96 in den 100m-Finals
Im Kurzspint war Anna Wulfert (VfL Wolfsburg) in der WU18 über 100 Meter die erfolgreichste niedersächsische Athletin. Im Finale blieb sie erstmals unter der 12-Sekunden-Marke (11,92) und freute sich über einen starken 3. Platz. Knapp am Podest vorbei lief dagegen Milian Zirbus (MJU23 / 10,60) von Hannover 96. Seine Vereinskollegin Jule Wachtendorf überzeugte im Finale der WU23 über 100m mit neuer Bestzeit von 11,66 und Rang sechs.
Mehrkampfspezialistin Svea Funck (TV Jahn Walsrode) stellte sich an diesem Wochenende der Konkurrenz über die Hürden und im Hochsprung der WU18. Während sie im Hochsprung mit Platz fünf und 1,68 Meter etwas unter den Erwartungen blieb, konnte sie im Hürdensprint mit Platz drei und 13,58 Sekunden voll überzeugen. Tamina Heller (TV Langen) wurde dahinter Fünfte in 13,75 Sekunden. Über die 110m Hürden belegten Mehrkampfkollege Torben Prepens (MJU23 / TV Cloppenburg / 14,61) und Paul Stebner (MJU18 / MTV 49 Holzminden / 14,31) mit neuen Bestzeiten jeweils ebenfalls Platz fünf.
Jan Plewka erneut Deutscher Meister im Hammerwurf
Den einzigen Deutschen Meistertitel im technischen Bereich konnte sich Hammerwerfer Jan Plewka vom TSV Helmstedt sichern. Der Deutsche U16-Meister vom letzten Jahr machte es richtig spannend, als er sich erst mit seinem sechsten Versuch und der perönlichen Bestleistung von 66,87 Metern an die Spitze des U18-Teilnehmerfeldes setzte. Die einzige Medaille im Sprungbereich errung Dorothea Gantert (SpVg Laatzen) im Hochsprung der WU23 mit tollen 1,86 Meter. Einen geteilten 4. Platz gab es im Hochsprung der MU23 für Nevio Völkel (LG Osnabrück) und Niklas von Zitzewitz (VfL Eintracht Hannover), die beide 2,03 Meter übersprangen. Weitere Top-5-Platzierungen gab es in der U23 durch Klara Härke (Stabhochsprung / MTV Holzminden / 3,90m / Platz 5), Charlotte Waldkirch (Weitspung / VfL Eintracht Hannover / 6,01m / Platz 5) und Charlotte Grimm (Dreisprung / SV Eintracht Nordhorn / 13,08m / Platz 4), die das Podium maximal knapp verpasste. So war sie weitengleich mit der Drittplatzierten und es entschied der zweitbeste Versuch über Bronze. Dort war sie lediglich zwei Zentimeter schlechter als ihre Kontrahentin. Über ihren ersten 13-Meter-Sprung konnte sie sich aber trotzdem freuen. Genauso wie Namensvetterin Charlotte Kirchner (TSV Lelm) über ihre Weite im Hammerwurf. Kirchner war die einzige Hammerwerferin im Feld, die mit 53,75 Metern eine persönliche Bestleistung aufstellte. Der Lohn: Platz vier in Deutschland.
So hat Niedersachsen abgeschnitten:
Niedersachsen | Titel | Top 3 | Top 5 |
Gesamt | 6 | 18 | 34 |
MU23 | 2 | 5 | 11 |
WU23 | 1 | 4 | 7 |
MU18 | 3 | 3 | 6 |
WU18 | 0 | 6 | 10 |